Lernbegleiter in Unternehmen - nicht nur Führungsaufgabe

Laut einer groß angelegten Studie mit über 5000 Befragten wünschen sich Mitarbeiter (mehr) Weiterbildung in ihren Unternehmen.

Sie befürchten, dass besonders seit und mit der Covid 19 Pandemie Skills gefragt seien, die sie nicht oder nur unzureichend besitzen. 

Vor allem Fertigkeiten in den folgenden Themenbereichen seien gefragt: 

  • Führungsqualitäten und Managementerfahrung
  • Kommunikations- und Verhandlungsgeschick
  • Fortgeschrittene IT- und Programmierkenntnisse

Dass Mitarbeiter das Thema Weiterbildung wertschätzen und sogar in Vorstellungsgesprächen erfragen, ist nicht neu. Schon seit Jahren steht dieses Thema in Mitarbeiterbefragungen oder bei Neueinstellungen ganz oben auf dem Programm. Dass dies sich aber seit der Pandemie verstärkt hat, ist nur logisch. Covid 19 hat in vielen Bereichen wie ein Brennglas oder eine Beschleunigungstinktur gewirkt. Vielerorts sind Fähigkeiten notwendig, um auf Distanz miteinander zu arbeiten, digitale Hürden zu meistern oder auch virtuell zu kommunizieren. Viele fühlen sich darin nicht ausreichend gebildet. 

 

 

Zwei Herausforderungen treffen aufeinander

 

Nun treffen zwei Herausforderungen aufeinander, die in der Personalentwicklung besonders sind:

Menschen, die kaum digitale Kompetenzen besitzen, und Weiterbildungen, die bisher nur in Präsenzform stattgefunden haben.

 

Wenn nun also die Trainings in virtuellen Räumen und mit digitalen Tools stattfinden, (und die müssen ja auch erstmal entwickelt oder eingekauft werden) dann sitzen Mitarbeiter im Homeoffice häufig vor einem digitalen Endgerät - nicht selten vor dem eigenen - und wissen gar nicht, wie es richtig zu bedienen ist. 

 

Hier gilt es also einiges nachzuholen. Auf Seiten der Personalabteilungen werden in Windeseile gute, digitale Formate entwickelt und neue Weiterbildungskonzepte geschrieben. Hürden wie die Vorgaben der IT bezüglich Datenschutzrichtlinien werden natürlich auch mit einbezogen. 

Es werden Trainer eingekauft, die seit einigen Monaten digitale Fertigkeiten entwickelt haben, sich in Foren und Messen gegenseitig geschult haben. Einige haben sich sogar schnell zertifizierten lassen. Diese Trainer sind wunderbar ausgestattet mit allerlei digitalen Tools und Formaten, stellen ihre Laptops auf Schuhkartons und holen alle Schreibtischleuchten aus den Schubladen, um einigermaßen professionelle Ausleuchtung zu erreichen. 

 

Nicht selten gab es dann viel Ernüchterung beim Eintreffen der Teilnehmer in den virtuellen Räumen. 

"Ich kann nichts hören." oder "verdammt, das geht nicht" waren Standardsätze, gefolgt von dunklen Gesichtern, zu sehen ab Nasenspitze auf- oder abwärts, in Dreiergruppen im Konferenzraum sitzende Kollegen, mit gehörig Abstand zur Tatstatur "ach, es soll auch was geschrieben werden?". Und wie oft hören Sie das Geräusch, wenn ein Teilnehmer mal wieder aus der Konferenz fliegt? 

 

Nur Trainings anzubieten reicht nicht mehr

 

Nur Trainings anzubieten funktioniert also seit 2020 nicht mehr so gut. Personalabteilungen müssen also mehr tun, als ein Training entwickeln oder einkaufen und es dem Teilnehmer hin zu werfen. Sie müssen die Teilnehmenden beim Lernen begleiten. 

Die Experten in Sachen Bildung und Entwicklung begleiten nun die Mitarbeitenden bei ihrer Entwicklung ins nächste Lern- Level. Schon lange bevor ein Training startet, zum Beispiel in der Führungskräfteentwicklung, muss ein Teilnehmender digitale Kompetenzen besitzen, um sie dann im neuen Trainingsraum anwenden zu können. 

 

Neue Begriffe in der Weiterbildungswelt zeigen die Veränderung

 

Haben Sie den Begriff 'upskill' schon mal gehört?

 

Diesen Monat (März 2021) gibt es sogar eine Online Konferenz zu dem Thema. Der Begriff 'to upskill' kommt aus dem Englischen und bedeutet 'sich weiterbilden, sich zusätzliche Qualifikationen aneignen'. Klingt gut, oder? Dieser modernere Begriff für Training oder Personalentwicklung findet gerade Anklang in den gängigen Netzwerken und zeigt, dass auch die Personalentwicklung sich entwickeln muss.

 

Trend ist auch der Begriff 'Lernbegleitung'.  Obwohl Lernbegleiter schon an vielen Schulen Verwendung finden, war er lange verborgen in der Wirtschaft. In Schulen, wird er häufig benutzt, um deutlich zu machen, dass Lernen mehr als Eintrichtern von Wissen bedeutet. Dass Bulimie- Lernen (so viel wie möglich in uns rein stopfen, und dann zur Prüfung wieder auskotzen) uns als Bildungsgesellschaft nicht weit bringt, zeigen viele Pisa- Studien schon seit Jahren. Lehrer sind mehr als Trichter, sie begleiten nämlich Schüler beim Lernen, sie entwickeln und fördern sie.

 

Eine Bewegung also, die auch in deutschen Unternehmen Einzug halten kann.

Lernbegleiter, die Mitarbeiter fordern und fördern, sie begleiten, ihnen Hilfen an Hand geben und ihnen mit kleinen und wertvollen Impulsen Wissen gezielt vermitteln. Dazu braucht es didaktische und methodische Kompetenzen, Wissen über Lernformate und die richtigen Tools.     

 

Individuelles Lernen wird immer wichtiger

 

"Lernbegleiter sind professionell geschulte Personen, die Menschen in individuellen Lernprozessen unterstützen." (Quelle)

Was besonders auffällt, sind die 'individuellen Lernprozesse'. Es sind also viel weniger die groß angelegten Schulungsformate, die vollen Gruppentrainings oder die langen Führungskräfteprogramme, die heute wichtig sind, sondern die individuellen Lernprozesse. 

 

Gezielte Weiterbildungsformate, kleine Lernhäppchen und individuelle Begleitung werden in Zukunft eine große Rolle in der Personalentwicklung spielen. Lerncommunities in Unternehmen können dabei helfen. Mentoring in Unternehmen, Einzelcoachings oder digitale Lernplattformen mit Angeboten, die on demand abgerufen werden, sind dabei die wesentlichen Bestandteile von Corporate Learning. 

 

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